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16:17 | 14.11.2019
Merck-Aktie trotz höherer Ziele unter Druck

Der Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck KGaA setzt sich nach dem Zukauf des US-Halbleiterzulieferers Versum für 2019 höhere Umsatz- und Ergebnisziele. Die Erlöse sollen 2019 nun auf 15,7 bis 16,3 Milliarden Euro steigen, wie der im Dax notierte Konzern mitteilte. Zuvor wurden 15,3 bis 15,9 Milliarden Euro angepeilt worden.

Beim um Sonderposten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erwartet Merck nun 4,23 bis 4,43 Milliarden Euro. Zuvor betrug die Spanne 4,15 bis 4,35 Milliarden. 2018 hatte der Konzern 14,8 Milliarden Euro umgesetzt und operativ 3,8 Milliarden Euro verdient.

An der Börse kam der erhöhte Ausblick nur kurzzeitig gut an: Die Aktie kletterte im frühen Handel minimal auf 109,95 Euro, um dann kräftig unter Druck zu geraten. Am frühen Nachmittag notierten die Papiere rund 4 Prozent im Minus bei 105, 40 Euro.

Auf den ersten Blick erscheine das Zahlenwerk des Konzerns zwar besser als gedacht, kommentierte ein Händler und hob die Umsatzentwicklung bei den wichtigsten Medikamenten der Darmstädter hervor. Die erhöhte Prognose liege allerdings zum Teil an günstigen Währungseffekten, zum Teil aber auch am Versum-Kauf.

Im Zeitraum Juli bis September legte der Umsatz um rund 8 Prozent auf 4,05 Milliarden Euro zu. Insbesondere trugen erneut die beiden stärksten Standbeine des Konzerns – das Pharmageschäft sowie die Laborsparte – zum Wachstum bei. Hier legten die Erlöse jeweils im zweistelligen Bereich zu.

Im Pharmabereich erwies sich etwa das Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad, für das Merck im Frühling die lang ersehnte Zulassung in den USA erhalten hatte, erneut als verlässlicher Treiber. Mit erzielten Erlösen von insgesamt 89 Millionen Euro wurden die Schätzungen von Analysten leicht übertroffen. Die Nachfrage nach dem Krebsmittel Bavencio war ebenfalls höher als im Schnitt erwartet: Die Erlöse beliefen sich hier auf 29 Millionen Euro. Beim Multiple-Sklerose-Mittel Rebif gingen die Umsätze dagegen wegen der anhaltend hohen Konkurrenz um mehr als 15 Prozent auf 318 Millionen Euro zurück. Die Schwierigkeiten bei dem Mittel waren aber erwartet worden.

Stärkere Ausrichtung auf die Halbleiterindustrie

Im Geschäft mit den Spezialmaterialien setzten sich die seit einiger Zeit bestehenden Probleme ebenfalls fort: Der Umsatz ging hier um rund 7 Prozent auf 583 Millionen Euro zurück. Der noch stärkere organische Rückgang von über 10 Prozent konnte durch positive Währungseffekte zum Teil kompensiert werden. Der Konzern hat in diesem Bereich vor allem mit der wachsenden Konkurrenz aus Asien aber auch mit einer allgemeinen Marktschwäche zu kämpfen.

Rettung bringen soll eine stärkere Ausrichtung auf die Halbleiter- und Elektronikindustrie, in der sich der Konzern unter anderem wegen der weltweit steigenden Datennutzung bessere Geschäfte verspricht. Zu dem Zweck hatten die Darmstädter jüngst den US-Halbleiterzulieferer Versum sowie den kalifornischen Materialspezialisten Intermolecular gekauft. Den 5,8 Milliarden Euro teuren Versum-Deal hatten die Unternehmen Anfang Oktober abgeschlossen. Merck geht davon aus, dass dies im Gesamtjahr 2019 zusätzliche Umsätze von rund 270 Millionen Euro in die Kassen spülen wird.

Das bereinigte konzernweite Ebitda kletterte im dritten Quartal auch wegen Kosteneinsparungen noch deutlicher als der Umsatz um mehr als 15 Prozent auf 1,11 Milliarden Euro. Das Wachstum aus eigener Kraft machte dabei 9,8 Prozent aus. Unter dem Strich lag der Gewinn bei 343 Millionen Euro, ein leichtes Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (dpa-AFX / Eig. Ber.)

Foto © Merck


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